Wir haben kein generelles Ausländerproblem – sondern ein Problem mit den Deutschen, die alle Migranten immer in einen Topf werfen.
- Foto: picture-alliance / Frank May/picture alliance In vielen deutschen Stadten sind die Immigranten nicht mehr aus dem Straßenbild wegzudenken. Die Wellritzstraße in Wiesbaden
Aygül Özkan (CDU) ist ganz schnell zurückgerudert. Nachdem ihre „Mediencharta für Niedersachsen“ vorab öffentlich wurde, erklärte die Sozialministerin, „die Charta war und ist als eine erste mögliche Diskussionsgrundlage gedacht“. Nichts läge ihr ferner, als die Unhabhängigkeit der Medien in irgendeiner Form zu berühren. Das klingt nicht allzu überzeugend, wenn man zuvor Journalisten unterschreiben lassen wollte, wie sie künftig über Migrationsthemen zu berichten hätten. Ein seltsames Ansinnen, nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Pressefreiheit.
Man fragt sich: Wie kommt die Ministerin darauf, dass es hierzulande ein Problem mit unsensibler oder gar vorurteilsbeladener Berichterstattung in den Medien gibt? Abgesehen von einigen verwirrten Websites und den Hetzblättern der NPD: Wer schreibt oder sendet in Deutschland Despektierliches über Ausländer? Selbst in den größten Boulevardblättern ist man unentwegt bemüht, möglicherweise vorhandene Vorurteile abzubauen. Die Begeisterung für unsere bunte Nationalmannschaft in den Tagen der Fußballweltmeisterschaft war von keinem Fünkchen Ressentiment gegen nicht deutschstämmige Spieler getrübt.
Welche „Ausländer“ meint Frau Özkan?
Aber Schwamm drüber, die Ministerin ist noch ziemlich frisch im Amt. Niemand ist perfekt. Symptomatisch ist jedoch – und nicht nur für Aygül Özkan – die „kultursensible“ Wortwahl in ihrer „Diskussionsgrundlage“. Da ist von „Bevölkerung mit Migrationshintergrund“ die Rede, von „Herausforderungen der Integration“, von „interkultureller Kompetenz“. Schön, aber wer ist gemeint? Der indische Restaurantbetreiber, der vietnamesische Student, der senegalesische Küchenhelfer, der chinesische Ingenieur? (Weiter)