Schuldnerberater Peter Zwegat  Der Schuldnerberater Peter Zwegat, einer breiten Öffentlichkeit durch die RTL-Doku-Soap “Raus aus den Schulden” bekannt, hat sich in einem Interview mit der WELT zu den Thesen von Thilo Sarrazin geäußert. Darin gibt er dem früheren Bundesbanker recht und prangert die Dummheit und Ignoranz der politischen Elite an. “Manchmal muss man sich für höhere Klassen Fremdschämen”, so Zwegat.

Auszug:

WELT ONLINE: Haben Sie das Buch von Thilo Sarrazin gelesen?

Zwegat: Nee. Ich bin noch nicht dazu gekommen, es mir zu kaufen. Die Debatte um Thilo Sarrazin finde ich natürlich furchtbar – und furchtbar ungerecht. Es ist hanebüchen, wie viel Dummheit und Ignoranz bei vielen Politikern vorhanden ist.

WELT ONLINE: In welchen Thesen würden Sie Sarrazin denn folgen?

Zwegat: Es gibt schon eine bestimmte Schicht, die sich der Integration verweigert, und das müsste von der Politik stärker eingefordert werden. Ich bin doch seit Jahr und Tag in Brennpunkten unterwegs. Da muss man doch nur mal durchgehen. Und wenn ich die ganzen anderen Heinis sehe, die sich jetzt oberschlau zu Wort melden, dann kommt mir nur noch die Galle hoch.

WELT ONLINE: Schon früher hat Sarrazin seine Meinung überspitzt formuliert, zum Beispiel als er sagte, dass es keine Stadt gibt, in der so viele Menschen in Jogginghosen rumschlurfen wie in Berlin.

Zwegat: Aber es ist so. Ich fahre im Moment relativ wenig U-Bahn. Aber wenn ich nachts am Hermannplatz umgestiegen bin, hat es mich oft genug geschüttelt. Bevor ich Fernsehen gemacht habe, habe ich auch Fortbildung gemacht, einmal im Monat Schulklassen besucht.

Es gab Berufsschulen, in Friedrichshain oder Kreuzberg, in denen ich 20 Minuten gebraucht habe, um die 20-Jährigen in den Klassenraum zu kriegen. In einem Fall in der Sendung, in dem der Schlussdreh noch aussteht, kann ich mir heute schon ausrechnen, wie das wird.

Das sind ein 24-jähriger Mann und eine 21-jährige junge Frau mit russischem Auswandererhintergrund. Wenn die Frau 33 ist, wird sie vier Kinder von drei verschiedenen Männern und keine Ausbildung haben. Und er wird nicht für ein Kind Unterhalt gezahlt haben. Das ist der Hartz-IV-Empfänger, der uns von heute an für den Rest seines Lebens begleitet. Dies müsste man eigentlich ändern. Das Fördern fehlt ja da. Und das ist mit Sicherheit das, was Sarrazin meinte. Die 21-Jährige konnte nicht zusammenrechnen, wie viel 1,65 und 1,35 sind. Die musste den Taschenrechner holen und noch fünf Minuten überlegen.

Wie soll sie denn mal ihren Kindern in der Schule helfen? Das heißt, sie hat dann Kinder, die selber in Armut und in der unteren Schicht groß werden, die aber übermorgen neidisch sind auf die Turnschuhe, die ihr Nachbarssohn an hat und vielleicht versuchen werden, die abzuzocken.

So lange wir so tun, als würde es das nicht geben, so lange wir denen nicht helfen, wird das neue Proletariat immer größer. Also Proletariat nicht im Sinne von Arbeiterklasse, sondern im Sinne von Prekariat. Nichts anderes wollte Sarrazin glaub’ ich anregen. Leute wie Cem Özdemir (Parteivorsitzender der Grünen, Anmerkung der Redaktion) haben doch gar nicht begriffen, worum es geht. Manchmal muss man sich auch für höhere Klassen Fremdschämen.

Peter Zwegat – ein Mann mit klaren und deutlichen Worten.