Bildungsarme Kinder können im dritten Schuljahr oft kaum lesen und rechnen, später finden sie darum keine Lehrstelle und rutschen übergangslos in die „Maßnahmen“ des Arbeitsamtes. Noch mehr Geld oder sogenannte Bildungslotsen werden an diesem Zustand nichts ändern.

Viele Jugendliche sind schlicht „nicht ausbildungsreif“, davon sind türkische und arabische Jungen häufiger als andere betroffen.
In einer Grundschule im Norden von Berlin-Neukölln kämpft ein engagiertes Lehrerkollegium gegen die Sprachlosigkeit seiner jüngsten Schüler. Der ganze Unterricht hat ein Ziel: Die Kinder sollen auch jenseits ihrer heimeligen Parallelgesellschaft eine Chance haben, eine andere als die nächste Hartz-IV-Generation zu werden. Mehr als achtzig Prozent der Schüler kommen aus Migrantenfamilien, oft ist ein Elternteil aus der Türkei oder dem Libanon zur Verheiratung und Familiengründung nach Deutschland geholt worden. Aus den Belegen für kostenlose Lernmittel weiß Schulleiterin Astrid-Sabine Busse, dass allein für die Familien ihrer Schulkinder Monat um Monat vierhunderttausend Euro an Sozialhilfe gezahlt werden. Wenige Schüler schaffen es auf eine Realschule oder ein Gymnasium, nicht unbedingt sind deren Eltern der deutschen Sprache mächtig. Aber sie wollen, dass ihre Kinder weiterkommen.

Die Schule hat ein Elternzentrum eingerichtet, in das, mehr oder weniger freiwillig, Mütter und zuweilen auch Väter kommen müssen, um „grundlegende Fähigkeiten“ der Kindererziehung zu erwerben. Es sind Eltern aus Großfamilien, die dort lernen, wie wichtig es ist, mit ihren Kindern zu sprechen, mit ihnen gemeinsam Bilderbücher anzuschauen. Sie lernen eigentlich alles, von wettergerechter Kleidung über das Training motorischer Fähigkeiten bis hin zu einigermaßen gesunder Ernährung und dass Gewalt gegen Kinder hierzulande unter Strafe steht. Trotzdem erscheinen kaum türkische und arabische Eltern zu den Schulversammlungen. Gleichwohl hofft Frau Busse, bei den Kindern mehr zu erreichen, als es die Eltern zu Hause vorleben. Sie wäre sehr dafür, das Kindergeld abhängig zu machen von der Bereitschaft der Eltern, ihren Erziehungspflichten nachzukommen. Und sie weiß, dass ihre Schüler keine Spitzenplätze einnehmen werden bei den jährlichen Vergleichstests. (mehr)

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